my-holy-grail-bag oder „in geheimer Mission“

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Hallo meine Lieben,

„my holy grail bag“ (jawoll, in der Taschen-Szene bezeichnen viele von uns so ihre Traumtaschen). Meine heilige Gral-Tasche war immer schon die Birkinbag von Hermes. Klar, ich bin „Taschist“ mit Leib und Seele. Nach Taschen verrückte Menschen, bezeichne ich als Taschist. Wie sollte man sie auch sonst nennen?

Wir fotografieren unsere Taschen täglich von innen und außen und plazieren unsere Fotos dann auf Instagram unter bekannten Hashtags wie #monogrammonday oder in Rubriken wie „my bag in action“, „whats in my bag“ diverser Foren. Mir selbst wird es auch nach über 5 Jahren nicht zu blöd, ständig fremder Leute Taschen zu bewundern. Klar, ich bin ja schließlich Taschist. Wir schließen uns in – teilweise geheimen – Whatsapp-Gruppen zusammen genauso wie auf Foren oder Instagram und diskutieren unermüdlich über Designer, Modelle, Farben, Formen und Größen. Preiserhöhungen fürchten wir wie der Teufel das Weihwasser und nicht selten wird kurz vor einer Preiserhöhung noch schnell ein Tascherl erworben weil man ja sparen möchte (hö hö hö). Wir kaufen und verkaufen und nicht selten wird ein eben verkauftes Modell erneut gekauft weil man erkannt hat, ohne diese Tasche doch nicht leben zu können. Ach ja…. ich könnte mit vielen irren Geschichten rund um die Handtasche aufwarten aber diesen Artikel möchte ich dann doch der Königin aller Taschen, der Birkenbag, widmen. Auch ich besitze eine Königin und das ist sie:

Die Nicht-Taschisten unter euch werden sich nun fragen was an dieser Tasche denn so besonders ist. Durchaus berechtigte Frage denn hervorragend verarbeitete Taschen in feinstem Leder und tollen Farben gibt es viele. Was die Birkinbag auszeichnet ist zum einen der stolze Preis und zum anderen kann man diese Tasche nicht einfach so im Geschäft kaufen. In Paris ist es manchmal möglich, direkt im Geschäft eine Birkin zu bekommen aber dann muss man nehmen was gerade angeboten wird und kann weder Farbe, Größe noch Lederart bestimmen.

Fakt ist, dass eine Birkin direkt in einem Hermes-Store bestellt werden muss. Und selbst da ist nicht immer möglich, die Tasche in der gewünschten Ausführung zu ordern. Derzeit ist z.B. keine Bestellung in Epsom-Leder möglich. Die Wartezeit dauert bis zu drei Jahre (die Aussagen hierzu sind allerdings von Store zu Store unterschiedlich). Ich frage euch: wer bitteschön möchte denn so lange auf seine Traumtasche warten?

Ich wollte schon seit Jahren eine Birkin aber mich hielten Preis und Gewicht der Tasche zurück. Immer wenn ich eine Birkin in „freier Wildbahn“ erspähte, war ich Feuer und Flamme und es dauerte immer Tage, ehe ich mich selbst wieder einigermaßen auf den Boden der Tatsachen zurückholen konnte und sie mir aus dem Kopf schlug.

Am 4. August 2017 hatte ich mit meiner lieben Freundin Susanne eine Mission in Sachen Gucci zu erfüllen. Wir liefen die Maximilianstraße entlang und es begegneten uns drei Birkins. Rechts auf meiner Schulter das Teufelchen, welches mir fies ins Ohr flüsterte: „Du brauchst diese Tasche unbedingt“, links auf meiner Schulter sumste das Engelchen: „sei vernünftig, das ist zuviel Geld“, das Teufelchen argumentierte geschickt: „Pfeif auf die Kohle oder willst du die Reichste auf dem Friedhof sein? Du lebst jetzt“, links zaghaft das Engelchen „Stimmt eigentlich. Scheiß aufs Geld und hol das Ding“. Ääääääähhhhh ….

Montag, 7. August im Chat mit meiner Freundin Christine aus Wien (Taschistin) – ICH WILL DIESE VERDAMMTE BIRKIN ! Ich war soweit, sofort einen Flug nach Paris zu buchen, rein in den Hermesstore, eine Birkin schnappen und glücklich grinsend damit nach hause fliegen, sie in meinen Götterschrein setzen und anbeten. Wenn ich mich in einem derartigen Wahn befinde, bin ich für sachliche Argumenten oft nicht mehr zugänglich deshalb ist es von äußerster Wichtigkeit, das mein Gesprächspartner die Nerven behält und ruhig und geduldig auf mich einredet. Christine hat es geschafft, mir den Flug nach Paris auszureden. Stattdessen erinnerte sie mich dran, dass es auf Facebook Gruppen gibt, in denen Birkins verkauft werden. Dass ich selbst Mitglied in einer dieser Gruppen bin, hatte ich bis dahin völlig vergessen.

Schnell Facebook aufgerufen und rein in die Gruppe und schwupp, da sah ich schon meine künftige Birkin bzw. auch Christine hatte einen Login gemacht und uns beiden war klar, dass diese rubinrote Tasche wie für mich gemacht ist. Was weiter geschah, muss ich nicht groß erklären. Ich ließ mir von der Verkäuferin Bilder zuschicken, die ich sofort zur Prüfung an zwei Birkin-Spezialistinnen weiterschickte. Prüfung deshalb, weil auf dem Markt sehr viele Fakes angeboten werden und ein Kauf außerhalb des offiziellen Stores immer ein gewisses Risiko birgt.

Manchmal passiert eine bestimmte Sache zum genau richtigen Zeitpunkt und alles fügt sich wie von selbst zu einem Puzzle zusammen. Ich hatte bereits einige Wochen vorher begonnen, Sale bei meinen Taschen und allerlei anderem Schnasselkram anzuleiern, so dass ich flüssig war. Bis auf den Thermomix hätte ich ansonsten alles verkauft was nicht niet- und nagelfest ist um mir diese Tasche zu holen.

Mir ist bis heute schleierhaft, weshalb wir Taschisten oft um den Kauf einer Tasche ein Geheimnis machen. Gerade Taschen wie Birkin und Kelly werden oft heimlich gekauft. Also gut, hab ich halt auch geheimnisvoll getan und ehrlich gesagt, liebe ich es, meine Follower ein bisschen zu quälen. Ich habe nur wenigen Leuten und natürlich den Elchen vom Kauf der Tasche erzählt. Das Schweigen hat richtig viel Kraft gekostet. Ich hätte die Tasche auch am liebsten sofort abgeholt aber sie musste erst mal um die halbe Welt fliegen ehe sie dann in Wien bei meiner Verkäuferin landete.

Und plötzlich ging alles ganz schnell. Meine Verkäuferin teilte mir mit, dass die Tasche da ist. Abholbereit am 26. August in Salzburg – aaaaaaahhhhhhhhh

Übergabetermin genau an dem Wochenende, an welchem mich Gisela aus Aachen in München besuchen wollte. Sie ist Taschistin wie ich und so fragte ich mal ganz zaghaft an, ob sie denn nicht Lust auf einen Kurztrip nach Salzburg hätte….. a bisserl auf der Salzach mit dem Schifferl fahren, a paar Mozartkugeln essen, a bisserl die Getreidegasse entlang flanieren und so ganz nebenbei meine Birkin abholen…. Taschisten verstehen untereinander und Gisela war natürlich einverstanden, mich zu begleiten (Gisela-Hase, dafür liebe ich  dich). Das ganze natürlich top secret denn wir halten uns an den Geheimhaltungscodex was den Kauf einer Birkin betrifft und so machten wir uns getarnt und irre kichernd und mit einem Haufen Bargeld in der Tasche auf den Weg nach Salzburg.

Der Weg nach Salzburg war dieser ganzen Situation irgendwie angepasst. Wegen Staumeldung fuhren wir nicht direkt über die Autobahn, sondern ließen uns vom Navi lotsen – vorbei an Orten wie Pang Aising (klingt so asiatisch wie der Name meiner Verkäuferin was Gisela und ich sofort als Zeichen vom Universum deuteten), schließlich zeigte uns das Navi die Straße ohne Namen an (es war wirklich alles top secret).

Endlich, bei brütender Hitze in Salzburg angekommen und sowohl ausgetrocknet als auch orientierungslos Richtung Innenstadt geirrt – erstmal auf der Suche nach Nahrung und Flüssigkeit. Nachdem ich ja nie James-Bond-Filme gucke, bin ich nicht sehr erfahren und geschickt wenn es um die Erfüllung einer geheimen Mission geht, wobei ich mit Fug und Recht behaupten kann, schon oft im Leben spioniert zu haben (ich bin halt auch nur eine Frau).

Treffpunkt zur Übergabe: 14:30 Uhr bei Starbucks. Ich hatte meine Verkäuferin Oktariza zwar schon auf einem Foto gesehen aber ob ich sie im realen Leben erkannt hätte, möchte ich in Frage stellen. Um 14:20 Uhr standen Gisela und ich gestärkt und sonnenbebrillt bei Starbucks und staunten nicht schlecht, wieviele asiatisch aussehende Menschen sich dort tummelten.

Mit ernsten Minen und hoch konzentriert scannten wir jeden einzelnen Gast, der draußen, direkt vorm Lokal unter einem der gelben Sonnenschirmchen saß. Natürlich schauten wir auch unverhohlen unter die Tische, aber nicht weil wir Oktariza darunter vermuteten, sondern die Tasche. Ich gebe zu, dass uns unsere Suche sicherlich verdächtig machte, denn die Starbucks-Gäste warfen uns misstrauische Blicke zu aber da kenn i nix. Rein ins Lokal und auch hier vergeblich nach Oktoriza am Tisch und der Birkin unterm Tisch gesucht.

Gut, dann halt erstmal ein Becherchen Kaffee. Gibt ja schlimmeres als Starbuckscoffee zu trinken. Schnell mal auf clean-eating gepfiffen und gleich mal einen Kaffee mit Karamellsirub geordert denn der Körper braucht bei so einer Anspannung natürlich Zucker. Beim bezahlen an der Kasse meinte die Verkäuferin, dass die grünen Schirme, die ca. 20 Meter weit vom Lokal entfernt standen zu Starbucks gehören. Peinlicherweise hatten wir die Gäste des Nachbarlokals ausspioniert – aber wie bereits vorher schon erwähnt, ich bin nicht James Bond und Anfängerfehler passieren nun mal!

Wir also zu den Tischen mit den grünen Schirmchen (ist ja auch die Farbe des Firmenlogos) und erstmal herzhaft gelacht.

Es geht auch wesentlich einfacher, die richtige Person zu treffen indem man einfach mal eine Message schreibt und siehe da, Oktariza antwortete sofort, dass sie eben eingetroffen sei. Ich war ja  stark herzinfarktgefährdet als Oktariza mir meine Birkin überreichte und hätte an dem Tag die doppelte Ration meiner Blutdrucksenker vertragen können. Gisela, als erfahrene Taschistin, hat die Übergabe natürlich mit vielen Fotos dokumentiert und damit ihr mal in die Augen einer Wahnsinnigen blicken könnt, spendiere ich dieses Bild:

Es dauerte einige Zeit, ehe ich psychisch so stabil war, dass dann auch noch nette Bilder wie diese entstanden:

Oktariza hat auf Instagram den Account: addicted2brand_shop und ihr könnt gerne mit ihr Kontakt aufnehmen. Ich kann sie nur wärmstens empfehlen. Ich kenne Leute, die bei ihr gekauft haben und sehr zufrieden sind. Meine Birkin ist tatsächlich neu auch wenn sie aus dem Jahr 2010 ist. An den Beschlägen haftete noch die Folie und wenn man die Tasche öffnet ist sie noch etwas steif wie es eben bei einer neuen Tasche so ist.

Ich habe sofort meine kleine Pochette Metis, die ich an diesem Tag trug, in die Birkin gepackt denn ich wollte natürlich, dass die neue Tasche am Ärmchen baumelt. Zu dritt bummelten wir noch durch Salzburgs Gassen und letztendlich landeten wir beim Hermes-Store zum einen weil ein Taschist immer Fragen zu Produkten hat und zum anderen weil wir einfach gucken wollten ob es in Österreich etwas gibt, was man in Deutschland nicht haben kann. Ich habe dann auch tatsächlich ein Visitenkartenetui gekauft für das Presseevent im September aber das wird eine andere Geschichte.

Giselas und mein Tag endete mit einer Schifferflahrt auf der Salzach und einem ausgezeichneten Abendessen im Hotel Sacher. Liebe Oktariza, liebe Gisela, ich danke euch beiden sehr für dieses unvergesslich schöne Erlebnis. Ich liebe meine Birkin seit der ersten Sekunde ich freue mich, dass ich diesen Moment mit euch teilen durfte.

Mehr Wiggerl und Geschichten rund um Fashion und den Hauselch findet ihr täglich auf Instagram unter einfach_nur_wiggerl – vielen Dank fürs Lesen.

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