Wiggerl kocht – und zwar vor Wut

…. vorgestern hab ich gekocht meine Lieben – zum einen scharfes Thaicurry (selbstverständlich mit braunem Reis) und zum anderen hab ich vor Wut und Enttäuschung gekocht. Doch erstmal:

hallo meine Lieben,

ich finde, man darf selbst in der größten Wut die Regeln des Anstands nicht vergessen. Die Geschichte, die sich zutrug wird hier nicht öffentlich gemacht zumal sie auch für den Artikel gar keine Rolle spielt denn ich will einfach allgemein über Wut, Ärger und Enttäuschung schreiben und darüber, wie man am besten damit umgeht. Leider gehören nämlich diese Gefühle – genauso wie Liebe, Glück und Harmonie – zum Leben. Mit letzteren können wir nur besser umgehen.

Man sollte sich zunächst die Frage stellen, warum man denn eigentlich so aufgebracht und verletzt ist. Es gibt verschiedene Situationen und Menschen, die uns in Rage versetzen. Kurz zusammengefasst: die Wut kocht ja hoch wenn etwas nicht nach unseren Vorstellungen und Erwartungen verläuft und ich mich dabei ausgenutzt, erniedrigt, verarscht, betrogen, missachtet oder unfair behandelt fühle (diese Liste lässt sich natürlich endlos fortsetzen).

Ich bin zum Beispiel ein Mensch, der sich richtig ärgern kann. Und ja, es gibt Personen, die behaupten, dass ich ich auch richtig reinsteigern kann in meinen Zorn. Stimmt! Ich kann da nicht widersprechen. Es ist nun mal mein Temperament, das mich ausflippen lässt und manchmal geht dabei auch etwas zu Bruch (selten aber ein Herz). Ich bin schließlich eine, die im Feuerzeichen Schütze geboren wurde und kann quasi nix dafür. Ich persönlich hab mich mittlerweile mit meinem überschäumenden Temperament abgefunden – für das Objekt meiner Wut ist das schon schwieriger. Ich zeige hier mal verschiedene Methode und Lösungen auf, wie man mit der Wut umgehen kann.

Die sportliche Lösung:

Wut ist pure Energie, das sollte man nutzen und nach Möglichkeit auch umsetzen. Wenn man nicht gerade so ein fauler Sack ist wie ich zum Beispiel, könnte man die Laufschuhe schnüren und loslaufen. Man könnte auch im Fitness-Studio an den Geräten ein paar Kilo mehr drauflegen. Glaubt mir, wer sich richtig auspowert, hat keine Kraft mehr, wütend zu sein denn Sport baut deine körperliche Anspannung ab und macht das Schädelchen frei. Aber wie bereits erwähnt, ist Sport nicht jedermanns Sache.

Die magische Lösung:

Ich finde, es lohnt sich immer zu prüfen, wie wichtig mir die ganze Angelegenheit ist. Ist es die Situation und der Mensch, der meinen Zorn oder meine Enttäuschung verursacht hat, überhaupt wert, dass ich mich so ärgere? Wie denke ich nächste Woche/nächsten Monat/nächstes Jahr darüber? Manchmal reicht es auch schon, eine Nacht zu schlafen um Abstand zu gewinnen. Meistens stelle ich fest, dass der Ärger umsonst war. Zugegeben, ehe ich diesen Punkt erreiche, an dem ich mich frage, ob es all das wert ist, hab ich zuvor Stunden damit verbracht, mich aufzuregen, im schlimmsten Fall sind Tränen geflossen und und manchmal hab ich sogar meine Allzweckwaffe aus der Schublade geholt:

 

Da staunt ihr, gell. Jawoll, in Wiggerls Schubladen schlummern einige Geheimnisse. Natürlich wende ich keinen Voodoo-Zauber an (nicht mehr jedenfalls, aber das ist eine andere Geschichte). Es handelt sich bei diesem Püppchen um einen Gag aber solltet ihr euch je entschließen, einen Voodoozauber anzuwenden dann bitte das entsprechende Schutzritual nicht vergessen damit ihr keinen Bumerang-Effekt erlebt.

Die Erwachsenenlösung

Da ich meine Karriere als Voodoopriesterin bereits vor einigen Jahren an den Nagel gehängt habe, suche ich nun andere Methoden um mit meiner Wut fertig zu werden. Gestern zum Beispiel habe ich in meinem Zorn begonnen, diesen Artikel in die Tastatur zu kloppen. Ich nenne das eine „Erwachsenenlösung“. Etwas niederschreiben hilft mir, das Problem nochmal genauer zu beleuchten um es dann loszulassen. Gehts mir jetzt besser? Ja, das Schreiben hat tatsächlich geholfen weil ich mir automatisch Gedanken darüber machte, was mein Gegenüber veranlasst haben mag, so zu handeln. Welche Motive verbergen sich wirklich hinter seinem Verhalten, seinen Taten und seinen Worten. Jeder von uns hat eine andere Vergangenheit, Erfahrungen, Lebensumstände und natürlich eine andere Persönlichkeit. Wenn man sich die Mühe macht, hinter die Fassade zu blicken kann man oft erkennen, dass der Angriff in Wirklichkeit gar keiner war weil beispielsweise die Persönlichkeit des anderen keine andere Handlungsweise zuließ. Ob ich deshalb gewillt bin, zu verzeihen, steht auf einem ganz anderem Blatt.

Ich finde, diese analytische Lösung klappt nur mit genügend Abstand. Wenn ich vor Wut noch am Kochen bin, hab ich schlichtweg keinen Bock über die Befindlichkeiten des anderen nachzudenken. Da stelle ich mich und mein Wohlergehen erstmal in den Vordergrund und das hat mit Egoismus nichts zu tun. Manchmal stellt man fest, dass verschiedene Menschen aufgrund ihrer Lebensumstände und Persönlichkeit gar nicht (mehr) in das eigene Leben passen. Dann sollte man diese Kontakte schnellstens verabschieden aber auch das ist ein anderes Thema.

Die Auszeit-Lösung

Du befindest dich mittendrin in einer dich wütend machenden Situation? Bevor du auf dein Gegenüber einschlägst, ihn trittst, anschreist, beleidigst, ihm die Haare ausreisst oder gar schlimmeres antust, hau ab. Versuche, aus der Situation rauszugehen indem du einfach sagst „Lass uns später nochmal drüber sprechen“. In der Wut sagt man oft Dinge, die später nicht mehr zu heilen sind.

Die Freundinnen-/Kumpellösung

Ruf eine Freundin oder einen Freund an und jammere ihm die Hucke voll. Wozu sind Freunde schließlich da? Selbstverständlich kannst du auch jedem beliebigen Menschen deine Wut-Story erzählen. Aber Freunde kennen dich und wissen ganz genau, wie sie dich beruhigen können. Auch ich hatte natürlich am Mittwoch Kontakt zu einer Freundin per WhatsApp. Schon ihre kurze Nachricht „wem soll ich eine reinhauen?“ reichte aus um mich zum Lachen zu bringen. Klar hab ich mich kurz darauf wieder weiter geärgert aber irgendwie war schon etwas Luft raus.

Lest doch mal, wie Buddha darüber denkt: „An seinem Ärger festhalten ist genauso wie eine glühende Kohle in die Hand nehmen, um sie nach jemanden zu werfen. Du bist derjenige, der sich verbrennt.“

Genauso ist das nämlich mit der Wut. Wenn du glaubst, dass du mit deiner Wut demjenigen schadest, auf den du wütend bist, dann ist das ein fataler Irrtum denn Ärger und Wut schaden nur dir selbst. Du bist es, der an Lebensqualität einbüßt.

Zugegeben, ich genieße es manchmal auch, mich in meinem Unglück zu suhlen, in Selbstmitleid zu baden und zu hoffen, dass jemand (groß, kräftig, gutaussehend und stinkreich) kommt, mich rettet, beschützt und es den Mieslingen, die mir das Leben zur Hölle machen, so richtig zeigt. Gekommen ist leider nie einer.

Die Schaumbäder im Selbstmitleid gönne ich mir nicht mehr so oft wie früher. Wut- und Ärgergefühle haben übrigens viel mit unserem Selbstwertgefühl zu tun. Ja wirklich, wir fühlen uns oft angegriffen weil unser Selbstwertgefühl nicht stark genug ist, um diesen (vermeintlichen) Attacken standzuhalten. Wir müssen lernen, unser Selbstwertgefühl zu stärken und uns so akzeptieren, wie wir sind. So abgedroschen es klingen mag: „Ich liebe mich so wie ich bin“ darf kein bloßes Lippenbekenntnis sein.

Mit diesen weisen Worten beende ich nun diesen Artikel, den ich vorgestern begonnen, gestern vollendet und heute nochmal durchgelesen hab. Mittlerweile bin ich übrigens nicht mehr wütend, sondern froh, dass aus der Wut heraus so ein schweinegeiler Text entstanden ist. Vielen Dank fürs Lesen.

Mehr Wiggerl und Geschichten rund um den Hauselch finden Sie täglich auf Instagram unter einfach_nur_wiggerl. 

PS: das wunderschöne schwarz-weiß-Foto hat übrigens meine liebe Sara Sabri fotografiert.

4 Kommentare

  1. bei diesem genialen Foto mit der Faust musste ich erst einmal ganz spontan lachen – es kommt so authentisch zu mir auf den Schirm Wer aber glaubt, dass dieser Artikel im ersten Augenblick des ZORNES geschrieben wurde, der – glaube ich – irrt.
    Er ist sorgfältig durchdacht, formuliert und wer sich gerade beim lesen über i r g e n d e t w a s ganz fürchterlich ärgert und nicht wei´ß Wie er seinen Ärger in den Griff bekommt, der kann HIER nachlesen wie man je nach Typ damit umgehen kann..
    Bravo
    gute beispiele!!!
    liebe Grüße
    auch eine sehr temperamentvolle
    angelface

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  2. guten Morgen Angelface, vielen Dank für diesen Kommentar. Ich schwöre dir, dass ich den Artikel tatsächlich begann, als ich noch vor Wut kochte. Ich habe ihn in drei Etappen geschrieben. Der Hammer ist, dass es mir mit diesem Artikel zum ersten mal gelang, Wut – also miese Energie – in positive Energie umzuwandeln. Ich wollte ein Event besuchen und darüber schreiben. Ich hatte mich irrsinnig gefreut und war gut vorbereitet. Die Enttäuschung war groß, als die Person, die mich mitnehmen wollte, sich einfach nicht mehr meldete. Ich hatte keine Einladung um allein zu gehen und es wäre für mich als Blogger, ein Knaller gewesen, dort zu sein. Meinen Artikel habe ich dennoch geschrieben. Über ein anderes Thema halt aber egal. Ich wurde schon oft auf diesen Artikel angesprochen. Ich freue mich wenn meine Worte als Wutbeseitigungsanleitung dienlich sind. Ich schicke liebe Grüße und würde mich freuen, wenn du öfter vorbeischaust, Michaela

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  3. Gefällt mir gut was du da geschrieben hast. Bin auch Schütze und kann das nur unterschreiben, hinzu kommt noch ein italienischer Einschlag und frage nicht was sich in meinem Umfeld tut, wenn ich mal los lege. Kommt zum Glück nur mehr sehr selten vor. Sollte es dennoch passieren bin ich genauso schnell unten wie ich oben war, mir ist die Zeit zu schade und die doofen Gedanken und das doofe Gefühl hab dann eh nur ich.
    Danke für deinen Beitrag 🙂

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  4. hallo meine Liebe, da freue ich mich aber besonders, dass du dich hier meldest. Bist du Novemberschütze? Ich kann auch ziemlich schnell wieder runterkommen und tatsächlich, bin ich bei weitem nicht mehr so heißblütig wie in jüngeren Jahren. Ich freu mich jedoch, dass es noch mehr Pulverfässer mit kurzer Lunte gibt. Herzliche Grüße und einen schönen Abend

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