Rauhnächte / Perchten / Kramperl und a bisserl was zum Räuchern

hallo meine Lieben,

heute erzähle ich euch von einem Event der besonderen Art – nämlich von den Perchten. Bevor ich euch jedoch davon berichte, möchte ich explizit darauf hinweisen, dass in den Brauchtümern regionale Unterschiede bestehen und dass die Bräuche, die ich hier beschreibe, nicht unbedingt auf jede Region zutreffen müssen.  Ihr werdet in den Links, die ihr hier im Artikel findet, sicherlich Unterschiede zu meinem Text finden. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich heidnisches und christliches Brauchtum miteinander vermischt.

Rauhnächte 

In den Rauhnächten finden alle Jahre wieder Perchtenläufe in Bayerns Gemeinden statt. Wisst ihr denn überhaupt, was es mit den Rauhnächten auf sich hat? Ich erzähle euch ein bisschen darüber:

Die 12 Rauhnächte bewegen sich um die Weihnachtszeit und um den Jahreswechsel herum (es gibt regionale Unterschiede). Meist sind es die Nächte von Hl. Abend bis Hl. Drei König des darauf folgenden Jahres. Für manch anderen beginnen die Rauhnächte bereits am 21.12. zur Wintersonnwende in der Thomasnacht.

Es ist jedenfalls die Zeit, in der die finsteren Mächte noch mächtiger sind, Geister und Dämonen erscheinen und die Seelen der Verstorbenen zurückkehren. Ziemlich gruselig, nicht wahr?

So bereitet ihr euch auf die Rauhnächte vor:

  • bringt geliehene Dinge zurück
  • begleicht eure Schulden
  • bereinigt ungeklärte Angelegenheiten
  • nützt die Zeit für einen gründlichen Hausputz
  • besorgt euch Räucherwerk

Für die Germanen jedenfalls waren dies besondere Nächte, eine heilige Zeit, die man mit seiner Familie verbrachte. Das Haus und der Hof wurden ausgiebig ausgegeräuchert um sein Eigentum zu schützen. Es ist die Zeit der Reinigung, des Wandels und des Neubeginns. Eine wahrlich magische Zeit. Kein Hauselch würde in dieser Zeit Wäsche waschen, denn es heißt, das Odin oder Frau Holle ein Wäschestück mitnehmen und daraus ein Leichentuch für den Besitzer machen könnten….. An Silvester (zur Mitte der Rauhnächte) bricht Wotan mit seinen Toten zur Wilden Jagd auf denn das Geisterreich steht offen…. In den Rauhnächten beginnen die Tiere zu sprechen und wer sie hört, muss sterben…. All das und vieles mehr soll in den Rauhnächten passieren.

In den Rauhnächten wird alles genau beobachtet um Vorhersagen für das neue Jahr zu treffen denn alles was in diesen Tagen geschieht, hat eine besondere Bedeutung. Jede der Rauhnächte steht für den kommenden Monat im nächsten Jahr (die erste Rauhnacht steht demnach für Januar, die zweite Rauhnacht für Februar usw.). Rauhnächte sind „Losnächte“. „Los“ leitet sich ab von „losen“ und „vorhersagen“. Ich könnte eine ganze Abhandlung darüber schreiben aber ich möchte mich jetzt dem „ausräuchern“ zuwenden. Mehr Infos zu den Rauhnächten findet ihr hier: Rauhnächte

Räuchern in den Rauhnächten

Das Ausräuchern während der Rauhnächte ist festes Brauchtum in vielen Regionen Europas. Es vertreibt die bösen Geister und bietet Schutz vor ihnen und bösen Kräften. Traditionell als Räucherwerk werden Kräuterbüschel, die an Maria Himmelfahrt geweiht wurden, verwendet.

Früher war es der Kirche vorbehalten, mit Weihrauch zu räuchern. Heutzutage ist der Weihrauch erschwinglich für jedermann. Schaut mal, ich habe welchen aus Dubai mitgebracht.

Bevor wir mit der Räucherung beginnen, schaltet vorsichtshalber alle Rauchmelder aus, die sich in euren Wohnungen befinden.

Räuchern ist einfacher als du denkst:

Entzünde ein Stück Holzkohle und lege es mit Hilfe einer Kohlenzange in die geöffnete Räucherpfanne (oder ein Räucherfass). Es genügt auch ein feuerfestes Gefäß. Sobald die Kohle gut durchgeglüht ist, lege mit Hilfe eines Räucherlöffels zerkleinerten Weihrauch (und gerne auch zerkleinerte Räucherkräuter) darauf. Nun gehe im Uhrzeigersinn durch all deine Räume und räuchere sie intensiv aus, so dass jeder Raum mit Rauch gefüllt ist. Zum Verteilen des Rauches kannst du einen Fächer benutzen (wenn du keinen Fächer besitzt, kannst du selbst einen aus Papier falten).

Wenn du möchtest, kannst du Gebete sprechen (unter Gebet verstehe ich die Ansprache zu Gott in meinen eigenen Worten, egal in welcher Angelegenheit). Lass den Rauch ein paar Minuten einwirken und lüfte danach ausgiebig. Ziemlich easy, oder?

Sehr spannende Infos zum Räuchern findet ihr hier: Räucher-Info

Der Percht

Jetzt kommen wir zu den Perchten. Der Name Percht leitet sich von der Sagengestalt Perchta ab. Mehr Infos gibts hier: Frau Percht

Es gibt die „guten“ Schönperchten (die bei Tageslicht kommen) und es gibt die bösen Schiechperchten (die in der Nacht ihr Unwesen treiben). Das Wort „schiach“ wird in Bayern oft benutzt und bedeutet soviel wie hässlich, böse.

Angehörige von Brauchtumsvereinen maskieren sich zu Angst einflößenden Gestalten und ziehen durch die Dörfer und von Haus zu Haus. Sie tragen selbstgeschnitzte Holzmasken und kleiden sich in Felle und Leder. Es ist wirklich sehr unheimlich wenn sie durch die Nacht laufen und auf ihren Trommel, der Teufelsgeige und dem Glockenspiel „musizieren“.

Jetzt fragt ihr euch sicherlich, warum die Perchten das tun. Sie wollen damit die Winterdämonen vertreiben damit der Frühling kommen kann. Das wichtigste Utensil der Perchten ist die Glocke (Brauch des Glöckelns) mit welcher der Winter ausgetrieben werden soll.

Vor zwei Jahren habe ich in Bad Reichenhall erlebt, wie die Perchten dort ihr Unwesen in der Innenstadt trieben. Sie sehen wirklich zum fürchten aus und scheuen sich nicht, dir mit der Rute eins überzuziehen. Begegnungen mit Perchten verlaufen nicht immer harmonisch und es kam schon zu (teilweise schweren) Körperverletzungen. Schaut mal was Wikipedia über die Perchten schreibt: Percht

Der Krampus

Jetzt wisst ihr über die Perchten Bescheid und über die Rauhnächte und ihr seid in der Lage, eure Bude auszuräuchern, so dass nur noch zu klären bleibt, wer der Krampus ist. Ich kenne den Krampus aus Kindertagen. Mancherorts wird er auch Knecht Ruprecht oder „Kramperl“ genannt. Er ist eine finstere Schreckgestalt in Begleitung des heiligen Nikolaus. Unartige Kinder werden vom Kramperl bestraft und fürchten seine Rute. Die artigen Kinder hingegen, werden vom Nikolaus beschenkt.

Hausbesuche des Nikolaus gibt es hier in Deutschland natürlich noch, aber da ist selten ein Kramperl dabei. Im Salzburger Land zogen schon damals, im 17. Jahrhundert, ganze Passen – also der Nikolaus in Begleitung vom Kramperl, der Hex, dem Engerl und dem Korbträger – über das Land um bei den Familien an die Tür zu klopfen. Übrigens war der Krampusbrauch während der Zeit der Inquisition verboten.

Ausgerüstet ist der Krampus – ähnlich wie der Percht – mit Fellanzug und einem breiten Ledergürtel, welchen er sich um die Körpermitte schnallt. Er trägt eine Rute aus dünnen (Birken-)Zweigen oder einen Kuhschweif bei sich und er setzt sich die geschnitzte Maske auf.

Eigentlich – so jedenfalls habe ich das verstanden – ist der Krampus nur am 5.12. und 6.12. mit dem Nikolaus unterwegs (wir in Bayern feiern den Nikolaus übrigens an beiden Tagen), während der Percht erst ab den Weihnachtsfeiertagen sein Unwesen treibt. Für mehr Infos zum Kramperl könnt ihr gerne hier klicken: Krampus

6. Perchten- und Krampuslauf in Heimstetten bei München

Es erschienen ca. 250 Perchten und Krampusse aus Bayern und Österreich am 27.12.2017 im Räter Einkaufszentrum (kurz REZ genannt) in Heimstetten und sorgten für ein ordentliches Spektakel. Eintritt kostenlos. Um den Lauf der schrecklichen Gestalten herum hatte man Imbissbuden aufgestellt, so dass sich die Zuschauer mit Essen und Trinken während der Veranstaltung versorgen konnten.

Da ich nur meinen Bankberater und Preiserhöhungen bei Chanel wirklich fürchte, habe ich mich ganz nach vorne getraut und für euch viele Fotos der Perchten und Krampusse gemacht. Alle Fotos dieses Artikels stammen vom 6. Perchtenlauf.

Ich stand über drei Stunden in der Kälte und war arg durchgefroren aber ich finde, das gehört zu so einem Abend dazu. Schließlich soll der Winter ausgetrieben werden.

Während des Perchtenlaufes wurde die ganze Zeit über laute und rockige Musik gespielt. Sehr viele Lieder waren von Rammstein. Ich liebe Rammstein und fand die Auswahl der Musik passend (düstere, klassische Musik hätte ich mir auch gut vorstellen können). Die Mucke hätte gerne noch lauter sein dürfen aber das wollte man den Anwohnern des REZ verständlicherweise nicht zumuten.

Die Perchten und Krampusse liefen der Reihe nach in verschiedenen Gruppen ein. Fragt mich jetzt bitte nicht nach den Namen der einzelnen Gruppen denn es waren viele. Das Publikum war durch einen Zaun vom Geschehen abgetrennt aber so mancher Percht und Krampus hat am Zaun gerüttelt, den Kindern die Mütze vom Kopf gerissen und mit der Rute (leicht) gepeitscht. Manche Gruppen liefen mit Feuer und Rauch ein, andere nur mit ihren Glocken und den Ruten. Vorsicht vor den Kinder-Perchten, das waren die schlimmsten.

Oft blieben die Perchten stehen, warfen sich in Pose um sich fotografieren zu lassen. Weibsvolk, welches Percht und Krampus begleitete, verteilte Bonbons an die Kinder. Von den gefühlten 1500 Fotos, sind nur wenig richtig gute dabei. Egal, die „Aufführung“ hat mir sehr gut gefallen.

Veranstalter des Spektakels war LaLila-Blumenkunst und www.REZ.de. Ich sage herzlichen Dank für dieses tolle Event und auch vielen Dank an die Perchten und Krampusse, die – so jedenfalls habe ich das gehört – ohne Gage auftraten.

Mehr Wiggerl, Lifestyle und Geschichten rund um den Hauselch gibts täglich auf Instagram unter einfach_nur_Wiggerl. Die Bilder des Perchtenlaufs findet ihr zum pinnen auf Pinterest. Vielen Dank fürs Lesen.

6 Kommentare

  1. Hallo meine Liebe, ich freue mich, dass dir der Artikel gefallen hat. Du hattest dich ja aufgrund der Instagram-Fotos schon gefreut. Ich finde den Brauch auch sehr schön. Ich mag alles mystische. Guten Rutsch meine Liebe und herzliche Grüße, Michaela

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  2. Wie schön, dass du dich auf dem Blog meldest. Ja, wir Bayern sind euch Österreichern in Vielem ähnlich. Ich bin auch mit dem Krampus aufgewachsen. Aber da sah er anders aus. Keine geschnitzte Maske, sondern das Gesicht mit Russ geschwärzt. Kein Fell, sondern einen Sack als Anzug. Egal, es gehört zu meinen Kindheitserinnerungen und beim nächsten Perchtenlauf bin ich wieder mit dabei. Herzliche Grüße, Michaela

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  3. Also ernsthaft, da bin ich in München aufgewachsen, aber einen Pertenlauf habe ich noch nie mitgemacht! Warum nur?! Das hätte mir gefallen! Wahrscheinlich weil ich in Solln wohnte und sie eher in den kleineren Gemeinden des Umlandes unterwegs sind? Man weiß es nicht, aber ich freue mich, dass ich jetzt durch Dich einen tollen Einblick bekommen habe und der Sinn und Zweck des ganzen ist ja auch noch sehr schön 😄

    Nebenbei finde ich den Bauch sehr gut, dass man das alte Jahr komplett im Reinen abschließt 👍🏼

    Der Artikel war spannend und sehr interessant – und Deine Bilder richtig toll – dafür hat sie das frieren definitiv gelohnt 😄

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  4. Liebe Ginger-Urschel, als ich Kind war, gab es bei uns die „sogenannte Nikolausjagd“. Da ging es eher darum, bei Dunkelheit zu schauen, wo der Nikolaus und sein Krampus herumlaufen. Der Krampus ist uns dann nachgerannt wenn er uns entdeckt hat. Manchmal wurden wir (teilweise grob) verhauen. Perchten kenne ich auch erst seit wenigen Jahren. Ich denke, dieser Brauch ist zwar alt aber im Münchner Raum ist das erst die letzten Jahre publik geworden. Spannend jedenfalls, wie sich dieser Brauch entwickelt hat. Die Rauhnächte finde ich übrigens auch sehr spannend. Man kann aufräumen mit allen Unklarheiten und sich neu besinnen. Viele liebe Grüße, Michaela

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