Wer behauptet denn, dass Tomaten rot sein müssen?

GASTBEITRAG MEINER FREUNDIN ROSITHA WINKLER

Hallo meine Lieben,

Michaela und ich, wir beide kennen uns ja schon mindestens seit einem Jahrzehnt und wir kennen unsere Spleens…  Einer meiner neuesten ist:

…Ich bin auf die Tomate gekommen…

Meine „Tomatensucht“, anders kann man das gar nicht bezeichnen, erinnert mich sehr an Michaelas Affinität zu schönen Taschen.

Wenn wir uns neue Modelle anschauen, können wir nachts nicht mehr schlafen und MÜSSEN sie unbedingt haben. Wir geben keine Ruhe, bis „das Teil“ zu Hause in den eigenen 4 Wänden ist und wir es andächtig betrachten können.

Wenn wir sie dann in Händen halten (Michaela die Taschen und ich die Tomatensamentüten), sind wir glücklich und malen uns aus, wo wir sie aufbewahren, in welcher Gesellschaft sie im kommenden Jahr ihr Dasein verbringen, was man damit so alles anstellen kann.

Meine Überlegungen sind da mehr essenstechnischer und dekorativer Natur, Michaela’s, wie man sie am besten am Körper und in der Öffentlichkeit präsentieren, ja in Szene setzen kann.

 Orange Russian 117
 Scharpey rot

Wie alles anfing…  

Ich bin ja nun auch schon deutlich Ü50…, sehr naturverbunden und gärtnere schon gut 30 Jahre. Bis zum vorletzten Jahr habe ich Tomaten angebaut und behandelt wie jedes andere Gemüse in meinem Garten auch, eigentlich hab ich mich sogar eher wenig darum gekümmert und so sahen sie auch aus.

Dann habe ich im Internet durch Zufall ein Tomaten-Forum entdeckt und gesehen, dass es ja TAUSENDE Sorten von Tomaten gibt? Ich war richtig entsetzt, dass wir alle beim Einkauf immer nur mit den handelsüblichen 5-6 Tomatensorten abgespeist werden und in den verschiedensten Gartencentern nur wenige als Samensorten und Pflanzen käuflich erwerben können. Das fand ich schlichtweg ungeheuerlich!

Ich konnte das gar nicht glauben und habe natürlich Schnappatmung bekommen. Zwischen 35.000 und 65.000 Sorten (da ist man sich nicht ganz einig) von Tomaten in allen Größen und Farben soll es geben?

Hellrote, dunkelrote, braunrote, lilarote, rosarote, weiße, gelbe, orangene, grüne, dunkelbraune, blaue, schwarze, bicolor (mehrfarbige, ebenfalls in allen Schattierungen). Fleischtomaten, Flaschentomaten, Stabtomaten, Cocktail-, Buschtomaten, Ampelto-maten, Baumtomaten, Litschitomaten in allen Größen und Formen.

Das ließ mir keine Ruhe und ich habe mich in die Sache eingearbeitet. Im Jahr 2016 fing ich vorsichtig mit 24 verschiedenen Sorten an und habe insgesamt ca. 70 Pflanzen in den Garten ausgepflanzt, von rot über gelb, bicolor bis dunkelbraun. Meine Familie und ich waren begeistert, sie haben grandios geschmeckt. Ich wurde immer hippeliger, wenn ich schöne Tomatensorten sah und träumte so manchen Tomatentraum.

Barry’s Grazy Cherry
Nonna Antonia

Im Internet habe ich mich dann mit Tomatenliebhabern angefreundet: Russinen, Kroatinnen, Schweizerinnen, Österreicher, Belgier, Franzosen, Argentinier, Brasilianer, ja mit fast der ganzen Welt. Wir haben gefachsimpelt, hunderte von Tomatensamen getauscht und schwuppdiwupp hatte Frau 600 Tomatensorten, aus denen sie für das Jahr 2017 auswählen konnte. Tja,wer die Wahl hat, hat die Qual. Ich war mutig und habe im Jahr 2017 dann gleich 124 Sorten ausgesucht und dieses Mal 200 Pflanzen ausgepflanzt.

BIG Arcobaleno 
 DOM Camillo

Ganz naiv war das, wie sich herausstellen sollte, denn ich wußte ja nicht was in diesen Dimensionen so alles auf mich zukommt. Aber Tomatensorten wie Orange Russian 117, Nonna Antonina, Königin der Nacht, Black Beauty, BIG Arcobaleno, Barry´s Grazy Cherry, Lover´s Lunch, Teton de Venus, Sternparadeiser ließen mich träumen und machten im zeitigen Frühjahr 2017 riesiges Gusto auf die kommende Tomatensaison.

Ananas Noire
 
Lover´s Lunch

Der Tomaten-Garten

Für eine nicht professionelle Gärtnerin wie mich, dazu mit fehlendem Equipment, ist es sehr mühsam und gar nicht lustig viele Jungpflanzen anzuziehen und derer Herr zu werden. Alle Fenstersimse Richtung Süden im Haus waren dauerbelegt, zusätzlich standen Bauregale vor den Fenstern.

Nächtelang wurde im Wohnzimmer (!) sehr zum Leidwesen meines Mannes angesät und die kleinen Pflänzelchen pikiert. Für 200 eigene Tomatenpflanzen habe ich vorsichtshalber mal (…) 450 produziert, der Rest wurde verschenkt, bzw. gegen einen kleinen Obulus abgegeben. Die pikierten Jungpflanzen mussten dann zur Abhärtung jeden Tag morgens früh ins Freie und am Abend wieder ins Haus geräumt werden, 40 Kisten waren das! Morgens 40 Kisten raus, abends wieder 40 Kisten rein und das ein paar Wochen lang…

 Sternparadeiser
White Queen u. Black Beauty

Irgendwann – Gott sei Dank – war die Zeit gekommen und sie konnten ins Freie gesetzt werden. Wer jetzt denkt, na jetzt hatte sie es aber ruhiger, täuscht sich. Es gab nur andere Arbeitsschritte:

Da wurde – da ich biologisch/dynamisch gärtnere – für die Düngung frische Pflanzenjauche (wegen des Geruchs in der hintersten Gartenecke) mit Beinwell, Kamille, Ringelblume und  etwas Brennessel in einer Tonne mit Deckel angesetzt.

Die Pflänzchen mussten nach und nach an langen Stäben hochgebunden und später die tragenden Rispen mit den immer schwerer werdenden Tomaten gestützt werden. Besonders bei den schweren Fleischtomaten war das wichtig. Meine schwerste Tomate wog knapp 1.200 g. Im Sommer und Hochsommer wurden am Tag teilweise zwischen 1.200 und 2.000 Liter (2.000 Liter = 2 Tonnen!) angewärmtes Wasser mit der Gießkanne zu den Tomaten getragen und gegossen.

Der Lohn der vielen Arbeit: Eine grandiose Tomatenernte. Köstliche, zart schmelzend schmeckende Tomaten aus aller Herren Länder, frisch als Tomatensalat, Tomatenaufschnittplatte, Bruschetta, Tomatensoße, Tomatenpizza, gebackene Ofentomaten mit Olivenöl u. Knoblauch mit Baquette….

Viele, sehr viele Liter eingefrorene Tomatensoße in den Farben weiß/gelb, orange und rot, bzw. dunkelrot, Tomatenketschup in allen Farben, Tomaten-Chili (Tomatenmarmelade) in allen Farben, schmeckt übrigens supermäßig zu Camembert u. Rotwein, getrocknete Tomaten in Olivenöl und Knoblauch, Ofentomaten Tomatencremesuppe und sogar Tomatenlikeur wurde angesetzt (schmeckt zusammen mit etwas Basilikum wie Kräuterlikeur).

Alles in allem war 2017 ein herrliches Tomaten-Jahr. Übrigens habe ich mir mittlerweile nun schon über 2.000 Sorten ertauscht und die Auswahl fällt dadurch natürlich immer schwerer.

In diesem Jahr gibt es insgesamt 157 Tomatensorten und 220 Pflanzen in meinem Garten (ich hoffe, ich kann mich wirklich am Riemen reissen und säe nicht noch mehr an). Allerdings muss ich kein Wasser mehr schleppen, sondern habe nun eine Bewässerungsanlage und ein großes Gewächshaus. Für den Sommer diesen Jahres wurde ich mit meinen Tomaten auf das Tomatenfestival in Brüssel und in die Gärten des Schlosses Oldenburg eingeladen. Das ist eine große Ehre für mich, allzuviel scheine ich nicht verkehrt gemacht zu haben.

Ich denke, so schnell werd ich diese Leidenschaft nicht mehr los…. Übrigens, ich habe einen relativ „kleinen“ Spleen. Meine Kollegen bauen teilweise bis 700 Sorten und 1000 Pflanzen an, alles Hobbygärtner….

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Eddy Ceyssens

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Eddy Ceyssens

 

Rezepte

Tomatencremesuppe

Zutaten:

  • Tomaten wie gewünscht (in rot, orange oder gelb u. weiß) (wenn man sie kaufen  muss, nimmt man besten Cocktailtomaten – dann hinterher passieren – oder Fleischtomaten)
  • Kräuter/Würze in Form vonKräuter der Provence, italienische Kräuter oder frisch:  Oregano, Thymian, etwas Salbei, Rosmarin, Salz, Pfeffer, Stärke in Form von Chilipulver oder frischen Chilis (so scharf wie man es gerne hätte)

  • Zwiebeln
  • Knoblauch
  • eine Prise Ingwer (wer das möchte)
  • etwas Zucker (oder adäquates anderes)
  • Butter
  • Je nach Menge 1-2 Becher Schlagsahne

Zubereitung:

Tomaten zuerst enthäuten (Cocktailtomaten muss man später passieren), dann Zwiebeln und Knoblauch in Butter anschwitzen. Anschließend Tomaten dazugeben und noch etwas weiterbraten lassen. Anschließend mit Gewürzen abschmecken und etwa einen halben Becher Sahne, vielleicht etwas Gemüsebrühe drangießen.

Nach ca. einer halben Stunde die restliche Sahne dazu und noch mit weiteren Butterstückchen abschmecken. Mit dem Pürierstab ordentlich pürieren und aufschäumen und mit etwas Grünzeug (kl. Tomatenblättchen, Petersilie oder mit etwas Kürbiskernöl servieren, dazu Baquette.

Ofentomaten

Zutaten:

  • Mehrere Fleischtomaten, verschiedene Farben
  • Olivenöl
  • Salz, Pfeffer
  • Knoblauchzehen
  • frische Kräuter wie Oregano, Thymian, Rosmarin etc.
  • Schafskäse (n. Belieben)

Zubereitung:

Mehrere große Fleischtomaten halbieren und mit der Schnittstelle nach oben in eine Auflaufform setzen. Olivenöl nach Gusto darübergießen, würzen und mit Pfeffer und Salz bestreuen, frische Kräuter darüber verteilen. 

Schafkäse (so man möchte) zerbröseln und darüber verteilen. Ab in den Backofen und bei ca. 175-200 Grad (Ober- u. Unterhitze nehme ich immer) braten. 

Nach einer guten halben Stunde kann schnabuliert werden. Mit frischem Baquette und Rotwein SEHR lecker!

Liebe Rosi, vielen Dank für diesen interessanten Beitrag und die leckeren Rezepte. Es ist schier unglaublich, wieviel Arbeit hinter deiner Tomatenzucht steckt. Taschen kaufen ist  da wesentlich einfacher.

Wenn ihr mit Rosi in Kontakt treten möchtet, könnt ihr dies über die Kommentarfunktion hier auf’m Blog tun oder sie per e-mail  direkt anschreiben. Auf Wunsch leite ich euch die e-mail-Adresse mit Rosis Genehmigung gerne weiter.

Mehr Wiggerl, Lifestyle und Geschichten rund um den Hauselch gibt es täglich auf Instagram unter einfach_nur_Wiggerl. Rosis Rezepte gibts zum Pinnen auf Pinterest. Vielen Dank fürs Lesen und Pinnen.

2 Kommentare

  1. Liebe Michaela, liebe Rosi, toller Beitrag über eine grüne Lust. Ich komme gerade aus meinem Garten und finde den Beitrag über die Tomaten spitze. Diese Leidenschaft kenne ich mit alten Bauerngarten-Pflanzen. Liebe Grüße aus dem beginnenden Frühlingsgarten Pet

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  2. Vielen Dank liebe Pet. Ich finde es erstaunlich, wieviel Arbeit dahinter steckt. Da denkt man immer, ein bisschen die Stauden gießen und gut ist es. Ein Bauerngarten ist auch was ganz besonderes. Herzliche Frühlingsgrüße, Michaela

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